Mehr internationale Zusammenarbeit für sichere Lebensmittel im Supermarkt
Lebensmittel aus aller Welt gehören für viele Menschen in Deutschland ganz selbstverständlich zum Alltag. Damit Produkte wie Bananen aus Ecuador, Avocados aus Mexiko oder Basmatireis aus Indien sicher gehandelt werden können, braucht es internationale Standards – deshalb engagiert sich Deutschland gemeinsam mit Partnern in der Standards and Trade Development Facility unter dem Dach der World Trade Organization.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt ihre Partnerländer beim Einhalten von Lebensmittelstandards im internationalen Handel. Das ist wichtig, damit wir sorgenfrei einkaufen können, deutsche Unternehmen sich auf ihre Produkte verlassen können und die Erzeuger*innen einen fairen Zugang zu internationalen Märkten bekommen. Deshalb engagiert sich Deutschland in der Standards and Trade Development Facility (STDF), einer globalen Partnerschaft unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO).
Bananen und Garnelen aus Ecuador, Avocados aus Mexiko, Basmatireis aus Indien, Tafeltrauben aus Südafrika – viele der Lebensmittel in unseren Supermärkten kommen aus aller Welt. Ob frisch oder verarbeitet: Bevor sie auf unseren Tellern landen, haben sie eine lange Reise hinter sich – über Ozeane, Grenzen und Kontrollen hinweg. Damit frische und sichere Lebensmittel und Agrarprodukte in die EU und nach Deutschland eingeführt werden können – und auch deutsche Agrar- und Ernährungserzeugnisse weltweit exportiert werden können – braucht es klare Regeln. Diese Regeln heißen sanitäre und phytosanitäre Standards, kurz SPS-Standards, und sind als Referenz im internationalen Handelsrecht der Welthandelsorganisation (WTO) verankert. Die WTO erkennt dabei die Standards des Codex Alimentarius, der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) und des Internationalen Pflanzenschutzübereinkommens (IPPC) als internationale Referenz an. Die Standards für Lebensmittelsicherheit sowie für die Gesundheit von Tieren und Pflanzen bilden das unsichtbare Fundament des internationalen Agrar- und Lebensmittelhandels – oft unbemerkt von Verbraucherinnen und Verbrauchern, aber mit großer Wirkung für die öffentliche Gesundheit und das reibungslose Funktionieren globaler Lieferketten. SPS-Standards verhindern, dass sich Schädlinge und Krankheiten über den Handel mit Lebensmitteln, Pflanzen und Tieren ausbreiten, und schützen so gleichermaßen Ökosysteme und Landwirtschaft. Gleichzeitig tragen sie zum Schutz unserer Gesundheit bei: Sie legen beispielsweise fest, welche Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel, Schwermetalle oder andere Verunreinigungen international gelten.
Dass wir Lebensmittel, die in anderen Ländern produziert wurden, unbedenklich konsumieren können, ohne Gefahr für unsere Gesundheit, ist also kein Zufall. Es spiegelt die Stärke weltweit anerkannter SPS-Standards sowie die Fähigkeit der exportierenden Länder wider, diese konsequent anzuwenden. SPS-Standards sorgen auch für ein gemeinsames Verständnis unter den nationalen Behörden und Zertifizierungsorganisationen. Von ihrer Umsetzung profitieren nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern auch Unternehmen, die sich darauf verlassen können, dass importierte Rohstoffe und Waren den Anforderungen entsprechen. Damit SPS-Standards wirken, braucht es verlässliche Kontrollen – sowohl im Herkunftsland als auch bei der Verbringung in die Europäische Union (EU). In Deutschland ist das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gemeinsam mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten an der Entwicklung einheitlicher europäischer und an den internationalen SPS-Standards beteiligt. Die Zuständigkeit für die Durchführung konkreter Kontrollen an den EU-Außengrenzen wie Häfen und Flughäfen liegt in Deutschland bei den Bundesländern.
Für viele Entwicklungs- und Schwellenländer stellen SPS-Standards eine große Herausforderung dar. Werden sie nicht eingehalten, werden ihre Exporte gestoppt – mit spürbaren Folgen für Produzentinnen und Produzenten, Betriebe und ganze Regionen. Gleichzeitig müssen diese Länder ihre eigene Bevölkerung schützen, denn auch sie importieren Lebensmittel, sowie tierische und pflanzliche Produkte. Die Ausbreitung von Schädlingen oder Krankheiten hat in der Vergangenheit immer wieder zu Gesundheitsproblemen, hohen Ernteverlusten und erheblichen Kosten geführt.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt Entwicklungsländer durch zahlreiche Projekte dabei, am internationalen Agrar- und Lebensmittelhandel oder am regionalen Handel in Afrika oder Asien teilzunehmen. Diese Unterstützung schafft Beschäftigung, erhöht Einkommen und stärkt die Ernährungssicherung. Und auch das BMLEH fördert Projekte mit Bezug zum internationalen und regionalen Handel von Agrarprodukten und Lebensmitteln. Gemeinsam unterstützen beide Ministerien Partnerländer dabei, SPS-Kapazitäten aufzubauen, um internationale Standards einzuhalten, funktionierende Lieferketten zu schaffen und verlässliche Handelsbeziehungen auf Augenhöhe zu ermöglichen – zum Nutzen von Produzentinnen und Produzenten vor Ort, ebenso wie von Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland und der EU und darüber hinaus.
Seit 2020 arbeiten BMZ und BMLEH auch im Rahmen der Partnerschaft der Standards and Trade Development Facility (STDF), einer multilateralen Initiative in der WTO, eng zusammen. Im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) unterstützt die STDF Entwicklungs- und Schwellenländer dabei, internationale SPS-Standards in die Praxis umzusetzen – durch innovative, nachfrageorientierte und übertragbare Projekte zum Kapazitätsaufbau und durch Wissensaustausch. Dabei wird auf Synergien mit Regierungen und internationalen Organisationen als Partner aufgebaut. Das Ziel der STDF ist einfach, aber wirkungsvoll: einen sicheren, fairen und inklusiven Handel zu ermöglichen. Verbesserte Regelwerke sowie gestärkte Fähigkeiten im öffentlichen und privaten Sektor zur Einhaltung von Standards machen den Agrar- und Lebensmittelhandel sicherer, schneller und kostengünstiger und verringern zugleich Lebensmittelverluste und -verschwendung. Diese Verbesserungen kommen nicht nur Exporteuren zugute, sondern tragen auch zur globalen Ernährungssicherheit und gesünderen Ernährungsweisen bei.
Die STDF zeichnet sich insbesondere durch ihren kooperativen Ansatz praxisnaher SPS-Innovationen aus. Ein Beispiel ist die ePhyto-Lösung, mit der pflanzengesundheitliche Zertifikate auf Papier durch digitale ersetzt werden. Das Projekt startete klein und heute tauschen nahezu 100 Länder aktiv ePhytos aus; allein im Jahr 2025 wurden 3,5 Millionen Zertifikate elektronisch übermittelt. Das System senkt die Handelskosten erheblich und ermöglicht einzelnen Exporteuren Einsparungen von bis zu 200.000 US-Dollar pro Jahr. Gleichzeitig reduziert es die Umweltbelastung um 8,4 kg CO₂-Emissionen pro Zertifikat. Die frühe Unterstützung der STDF für ePhyto hat zudem weitere digitale Initiativen angestoßen, darunter ein neues Pilotprojekt zu elektronischen Veterinärzertifikaten (e-Veterinary Certificates) im Handel mit Tieren und tierischen Produkten.
„Kein Land kann SPS-Herausforderungen allein bewältigen. Die STDF bringt Länder, Fachwissen und Erfahrung zusammen – damit internationale Standards nicht zu Handelshemmnissen werden, sondern zu Chancen für Entwicklung.“, so Marlynne Hopper, Leiterin des STDF.
Bei der STDF bringt das BMLEH seine fachliche Expertise im SPS-Bereich ein, während das BMZ auch Erfahrungen und Stimmen aus Partnerländern weltweit beiträgt. Deutschland ist damit ein verlässlicher internationaler Partner und ein bedeutendes Geberland der STDF. 2025 hatte Deutschland den Vorsitz der STDF-Arbeitsgruppe inne und hat gemeinsam mit WTO-Mitgliedern und Partnern die Umsetzung der STDF-Strategie 2025–2030 auf den Weg gebracht.
„Sichere Lebensmittel und verlässlicher Handel entstehen nicht von selbst. Sie brauchen klare Regeln, Vertrauen und internationale Zusammenarbeit. Mit unserem Engagement in der STDF leistet Deutschland dazu einen aktiven Beitrag.“, so Dr. Marie-Luise Rau, BMLEH, Vorsitzende 2025 der STDF Working Group.