Starke Wurzeln: Frauen gestalten die Zukunft des Kaffees in Peru

Ein Beitrag von Jil Schütze

In der Region Selva Central in Peru treiben Frauen im Kaffeeanbau nachhaltige Modelle voran, die den Amazonas schützen und verantwortungsvolle Wertschöpfungsketten stärken – unterstützt durch internationale Zusammenarbeit.

María, "Cupperin" bei CEMCAVIR, bewertet die Kaffeequalität in Villa Rica, Pasco. © Jil Schütze / GIZ

Von Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Die GIZ ist ein weltweit tätiger Dienstleister der internationalen Kooperation für nachhaltige Entwicklung. Sie hat mehr als 50 Jahre Erfahrung in unterschiedlichsten Feldern.

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In Villa Rica, im Herzen der peruanischen Selva Central, erfüllt der Duft frisch gerösteten Kaffees den Verkostungsraum von CEMCAVIR – der Cooperativa Ecológica de Mujeres Cafetaleras Villa Rica. In Höhenlagen zwischen 1.500 und 1.900 Metern bauen Frauen hier nachhaltigen Kaffee von hoher Qualität an, der zunehmend nationale und internationale Anerkennung findet. Im Inneren der Kooperative prüft María, ausgebildete Kaffeeverkosterin (cupper), sorgfältig jede Probe. Farbe, Aroma und Geschmack werden bewertet, bevor der Kaffee an Abnehmer in Peru und Europa geht.

 

„Dank meines Vaters bin ich Cupper“, erzählt sie. „Schon als Kind habe ich ihm beim Ernten ausgewählten Kaffees zugesehen. Er hat mir die Liebe zu dieser Arbeit vermittelt.“

Für María und ihre Kolleginnen ist Kaffee zugleich kulturelles Erbe und Grundlage wirtschaftlicher Unabhängigkeit. In ihrer Kooperative verantworten sie sämtliche Produktionsschritte – vom Anbau bis zur Qualitätskontrolle – und stellen so sicher, dass Qualität und Nachhaltigkeit in Frauenhand bleiben. In Peru sind derzeit 744 Personen vom Coffee Quality Institute in Kaffeeverkostung und Nachernteprozessen zertifiziert, fast 40 Prozent davon sind Frauen.

 

Elena, Gründerin von CEMCAVIR, leitet die Frauenkooperative im zentralen Hochland Perus. © Jil Schütze / GIZ

„Hinter CEMCAVIR stehen Frauen, die jeden Tag arbeiten und sich einsetzen“, ergänzt Elena, Administratorin der Kooperative. „Wir tragen die Verantwortung für unsere Haushalte. Hinter dem Logo steckt viel Geschichte.“ Heute vereint CEMCAVIR rund 70 Produzentinnen, die auf etwa 150 Hektar Kaffee anbauen. Ihre agroökologischen Anbaumethoden leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Amazonaswälder.

 

Elisa prüft eine Kaffeeprobe in Pichanaki. © Jil Schütze / GIZ

Neue Herausforderungen meistern

Die Selva Central – mit Regionen wie Villa Rica, Chanchamayo und Pichanaki – zählt zu den produktivsten Kaffeeanbaugebieten Perus. Zugleich ist sie aufgrund ihrer Biodiversität und ihrer Bedeutung für den Schutz tropischer Wälder ökologisch besonders sensibel. In diesem Kontext passen sich Kooperativen zunehmend an die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) an. Diese schreibt eine lückenlose Rückverfolgbarkeit vor und verlangt den Nachweis, dass Kaffee von entwaldungsfreien Flächen stammt. Für viele Kooperativen bedeutet das einen grundlegenden Wandel. Schulungen, zusätzliches Personal, digitale Technologien und Zeit sind erforderlich – insbesondere dann, wenn jede einzelne Parzelle kleiner Betriebe dokumentiert werden muss. Kann die Herkunft nicht belegt werden, ist der Zugang zu europäischen Märkten gefährdet. Gleichzeitig stärkt die Einhaltung der EUDR langfristig Professionalität und Vertrauen gegenüber europäischen Abnehmern.

 

Über das SAFE-Projekt erhalten Kooperativen wie CEMCAVIR und ACPC Pichanaki Zugang zu:

 

  • digitalen Instrumenten zur geografischen Rückverfolgbarkeit,

  • Schulungen für entwaldungsfreie Produktion,

  • datenbasierten Risikoprüfungen sowie

  • gestärkten organisatorischen und kommerziellen Kapazitäten.


In Pichanaki (Junín) erlebt Elisa, Produzentin der Kooperative ACPC Pichanaki, diese Veränderungen unmittelbar.

 

„Die Einhaltung der Standards erfordert viele Opfer“, sagt sie. „Dahinter steckt enorm viel Arbeit. Aber wir tragen auch Verantwortung.“

 

ACPC Pichanaki wurde im Jahr 2000 gegründet und vereint heute fast 400 Kleinproduzierende, knapp 30 Prozent davon Frauen. Die Kooperative exportiert überwiegend nach Europa und baut ihre Kapazitäten zum Nachweis entwaldungsfreier Produktion gezielt aus. Dazu gehören die Kartierung von Anbauflächen, verbesserte Datensysteme sowie der Aufbau von Kompetenzen, um Nachweise und Dokumentation vom Feld bis zum Abnehmer konsistent zu führen.

 

Geteilte Verantwortung

In den zentralen Kaffeeanbaugebieten Perus treiben Frauen den Wandel maßgeblich voran – als Produzentinnen, Verkosterinnen, Technikerinnen und Führungskräfte in Kooperativen. Ihre Arbeit stärkt den Umweltschutz, sichert wirtschaftliche Kontinuität und unterstützt die Anpassung der Lieferketten an die Anforderungen der EUDR. „Wir erfüllen die Standards, die von uns verlangt werden“, sagt Elisa. „Ich wünschte, mehr Menschen wüssten, was Produzentinnen und Produzenten dafür leisten müssen. Wir tun es, weil wir weiter wachsen wollen.“ Für die Frauen von CEMCAVIR, ACPC Pichanaki und vielen weiteren Kooperativen in Peru bedeutet Nachhaltigkeit mehr als die Einhaltung internationaler Vorgaben. Es geht um Fairness, Anerkennung und gleichberechtigte Teilhabe an globalen Märkten. Ihre Botschaft ist klar:

 

Die Zukunft des Kaffees beruht auf geteilter Verantwortung – zwischen Produzierenden, Handel und Konsument*innen. Und in dieser Zukunft übernehmen Frauen eine führende Rolle.

 

Frauen der Kooperative CEMCAVIR bereiten Kaffeesäcke für den Transport auf ihrem Quad vor. © Jil Schütze / GIZ

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, umgesetzt durch die GIZ, unterstützt den peruanischen Kaffeesektor seit mehr als 30 Jahren bei Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaanpassung. Mit dem SAFE-Projekt leistet sie einen aktuellen Beitrag zur Transformation der Kaffee- und Kakaowertschöpfungsketten in der Selva Central und zur Umsetzung europäischer Regelungen gegen Entwaldung.