Newsletter-Anmeldung
Verpassen Sie nichts!
Wir versorgen Sie regelmäßig mit den wichtigsten Neuigkeiten, Artikeln, Themen, Projekten und Ideen für EINEWELT ohne Hunger.
Newsletter-Anmeldung
Verpassen Sie nichts!
Wir versorgen Sie regelmäßig mit den wichtigsten Neuigkeiten, Artikeln, Themen, Projekten und Ideen für EINEWELT ohne Hunger.
Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.
Ein Fokus auf fragile Kontexte verdeutlicht den spezifischen Beitrag der Entwicklungspolitik zur Sicherheitspolitik und zeigt zugleich, inwiefern auch die Sonderinitiative „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ weiterentwickelt werden muss.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat kürzlich seine neue Strategie „Zukunft zusammen global gestalten“ vorgelegt. Darin wird Entwicklungspolitik ausdrücklich als integraler Bestandteil deutscher Sicherheitspolitik positioniert.
Die vorliegende Analyse zeigt, wie Investitionen in Ernährungssysteme zur Stabilisierung fragiler Kontexte beitragen können, und macht deutlich, dass die strategischen Ziele des BMZ – Hunger zu beenden sowie Stabilität und Frieden zu fördern – untrennbar miteinander verbunden sind.
Aktuelle Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigen, dass 280 Millionen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent unterernährt sind, während 740 Millionen von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Die Mehrheit von ihnen – jeweils rund 55 % – lebt in Kontexten, die als fragil und zugleich von Konflikten geprägt gelten.1 Etwa 10 % leben hingegen in Kontexten, die weder fragil noch konfliktbetroffen sind. Rund ein Drittel der unterernährten und ernährungsunsicheren Bevölkerung lebt in fragilen Kontexten ohne akute Konflikte. In absoluten Zahlen entspricht dies 94 Millionen unterernährten Menschen sowie 220 Millionen Menschen mit moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit (siehe Abbildung 1). Würde Fragilität vorschnell mit Konfliktkontexten gleichgesetzt, gerieten diese Gruppen aus dem Blick.
Die Bekämpfung von Hunger in konfliktbetroffenen Kontexten erfordert in der Regel humanitäre Hilfe, da anhaltende Gewalt langfristige entwicklungspolitische Investitionen erheblich erschwert oder unmöglich macht. Anders stellt sich die Situation in fragilen, aber nicht von Konflikten geprägten Kontexten dar.
Fragilität hat vielfältige Ursachen, darunter die begrenzte Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen bei der Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen, makroökonomische Instabilität sowie Bildungssysteme, die Frauen und Mädchen systematisch benachteiligen. Solche strukturellen Hindernisse für inklusive Entwicklung sowie für die Bekämpfung von Hunger und Armut stehen seit langem im Zentrum entwicklungspolitischer Arbeit. Das BMZ und die GIZ verfügen über umfangreiche Erfahrung und belastbare Partnernetzwerke, um diese Ursachen gezielt anzugehen.
Investitionen in fragilen Kontexten sind zudem zentral für die Förderung von Stabilität. Der OECD-Bericht „States of Fragility 2025“ hebt hervor, dass sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Akteure Fragilität gezielt ausnutzen – nicht als zu lösendes Entwicklungsproblem, sondern als politisches Instrument.
Die 2018 von den Vereinten Nationen und der Weltbank veröffentlichte Studie „Pathways for Peace“ kommt zu dem Schluss, dass Prävention „aktiv und gezielt auf Muster von Ausgrenzung und institutionelle Schwächen abzielen muss, die das Konfliktrisiko erhöhen“ (S. xi). Daraus folgt die Notwendigkeit, strukturelle Ursachen von Unzufriedenheit systematisch zu adressieren. Eine zentrale Konfliktursache sind Ungleichheiten im Zugang zu Ressourcen wie Land und Wasser.
Der Norden Benins illustriert diese Dynamik exemplarisch. Vorherrschende Agrarpolitiken begünstigen Exportkulturen wie Baumwolle. Die Ausweitung landwirtschaftlicher Nutzflächen hat dazu geführt, dass Viehhirt*innen von knappen Wasserressourcen und traditionellen Wanderkorridoren abgeschnitten wurden. Daraus ist eine tiefgreifende Unzufriedenheit innerhalb der pastoralen Communities entstanden, die von jihadistischen Gruppen gezielt instrumentalisiert wird. Daten von ACLED zeigen, dass sich solche Gruppen seit 2024 weiter in den Norden Benins ausgebreitet haben.
Staatliche Reaktionen setzen bislang überwiegend auf militärisch geprägte Sicherheitsmaßnahmen. Die UNDP-Studie „Journey to Extremism in Africa“ zeigt jedoch, dass solche Ansätze häufig neue Probleme erzeugen. In Interviews nennen 70 % der ehemaligen Kämpfer, die einen konkreten Auslöser benennen, die Tötung oder Verhaftung von Angehörigen oder Freunden durch staatliche Sicherheitskräfte. „Pathways for Peace“ weist darauf hin, dass solche Formen staatlicher Repression ein erhebliches Risiko für die Eskalation gewaltsamer Konflikte darstellen. Die Anerkennung legitimer Landrechte – einschließlich traditioneller und kollektiver Nutzungsformen – ist daher ein zentraler Ansatzpunkt, um einer weiteren Gewalteskalation in fragilen Kontexten entgegenzuwirken.
Ein wesentlicher Faktor von Fragilität ist die begrenzte Fähigkeit staatlicher Institutionen, grundlegende Dienstleistungen flächendeckend bereitzustellen. Um diese Lücke zu schließen, arbeitet die Entwicklungspolitik seit Langem eng mit lokalen Gemeinschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen und dem Privatsektor zusammen. Gesundheitshelfer*innen auf Gemeindeebene fungieren als Brücke zwischen Bevölkerung und Gesundheitssystem, Paralegals verbessern den Zugang zur Justiz, und gemeindebasierte Organisationen erreichen besonders vulnerable Haushalte.
Die Ausweitung von Maßnahmen zur Ernährungs- und Nahrungsmittelsicherheit in fragilen Kontexten erfordert jedoch neue Formen der Zusammenarbeit mit diesen informellen Akteuren. Erfahrungen von TMG zeigen, dass entsprechende Versorgungssysteme durch zwei parallele Dynamiken geprägt sind:
Im Ergebnis werden besonders betroffene Haushalte von keinem der beiden Systeme systematisch erreicht. Eine Verbesserung dieser Situation – gerade vor dem Hintergrund angespannter öffentlicher Haushalte – erfordert neue Formen der Kooperation zwischen beiden.
Bislang fehlt es jedoch weitgehend an öffentlicher Debatte und gezielten Investitionen in die Schnittstellen zwischen diesen Systemen. Zentrale Fragen bleiben offen: Wie können zivilgesellschaftliche Strukturen so weiterentwickelt werden, dass sie zu tragfähigen Partnern staatlicher Systeme werden? Wie können staatliche Institutionen entsprechende Kooperationen institutionell verankern, ohne informelle Strukturen zu verdrängen?
Ein Beispiel verdeutlicht diese Problematik: Öffentliche Schulernährungsprogramme in Nairobi erreichen ausschließlich staatliche Schulen. Viele ernährungsunsichere Kinder besuchen jedoch private Ergänzungsschulen in informellen Siedlungen. Im Stadtteil Mukuru betrifft dies 28.000 Schüler*innen – rund 75 % aller Kinder vor Ort.
Gemeinschaftsbasierte Initiativen versuchen, diese Lücke zu schließen, erreichen jedoch nicht die erforderliche Skalierung. Die Organisation VICCO stellt Schulmahlzeiten für Kinder in solchen Schulen bereit. Die Zusammenarbeit mit TMG zeigt, dass selbst unter den schwierigen Bedingungen informeller Siedlungen Kostendeckung oberhalb der Anforderungen des öffentlichen Systems möglich ist. Dennoch sind die Transaktionskosten für Kooperation und Aufsicht derzeit so hoch, dass eine Integration in staatliche Programme unwahrscheinlich bleibt.
Die Bekämpfung von Hunger in fragilen Kontexten erfordert daher ein Umdenken in der Organisation von Versorgungssystemen – hin zu Modellen, die informelle Strukturen nicht ersetzen, sondern gezielt stärken und integrieren. Die Fortführung der BMZ-Sonderinitiative „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ bietet hierfür eine wichtige Gelegenheit.
Klimaszenarien deuten darauf hin, dass das 1,5-Grad-Ziel in absehbarer Zeit überschritten wird. Der jüngste Emissions Gap Report des UNEP prognostiziert einen Temperaturanstieg von 1,9 bis 2,8 °C. Ausmaß und Dauer dieser Überschreitung hängen maßgeblich von der Entschlossenheit klimapolitischen Handelns ab. In dieser Phase werden extreme Wetterereignisse zunehmen – mit besonders gravierenden Auswirkungen auf fragile Gesellschaften, insbesondere dort, wo Landwirtschaft einen zentraler Wirtschaftszweig ist. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung von Investitionen in Ernährungssysteme für die menschliche Sicherheit weiter zunehmen.
1 Für konfliktbetroffene Länder siehe die Klassifikation der Weltbank. Die Daten zu fragilen Kontexten basieren auf der OECD. Die oben genannten Zahlen umfassen Kontexte, die als stark oder extrem fragil eingestuft werden.
Weiterlesen “Corona entlarvt die Schwächen unserer Ernährungssysteme”
Weiterlesen „Die Corona-Pandemie erhöht Gewalt gegen Frauen“
Weiterlesen "Landwirtschaftliche Forschung löst den gordischen Knoten"
Weiterlesen Schranken wegen der Pandemie: Antworten der Kleinbauern
Weiterlesen GFFA 2021: Klima und Corona geraten beim Forum in den Fokus
Weiterlesen Climate Adaptation Summit 2021: „Wir können es besser machen“
Weiterlesen „Wir müssen uns auf das Unvorhergesehene vorbereiten“
Weiterlesen Nachhaltige handwerkliche Fischerei und Aquakultur im ländlichen Raum
Weiterlesen Building back better: Eine Strategie für resilientere Ernährungssysteme
Weiterlesen "Wir müssen alle verfügbaren Ressourcen mobilisieren"
Weiterlesen Resiliente Kleinlandwirtschaft: Ein Schlüssel bei globalen Krisen
Weiterlesen Hype um Urban Gardening: Landwirte oder Hobbygärtner?
Weiterlesen Geschlechtergerechtigkeit: Eine Bedingung für Ernährungssicherheit
Weiterlesen Erfolgsmodell Hausgarten: Nahrung und Frauen Empowerment
Weiterlesen Globale Verantwortung: Ohne Hungerbekämpfung kein Fortschritt
Weiterlesen Das Corona-Virus trifft die Entwicklungsländer doppelt
Weiterlesen Erklärung der Ko-Vorsitzenden: GAFSP und die COVID-19-Pandemie
Weiterlesen So passen sich Entwicklungsländer besser an Dürren an
Weiterlesen Vorteil Vielfalt: Ideenreich gegen den Hunger und Armut
Weiterlesen Wie führt man eine Kampagne zu „Ernährungssystemen“ durch?
Weiterlesen Was erwarten Sie von diesem Pre-Summit, Herr Haddad?
Weiterlesen Biodiversität und Landwirtschaft - Rivalität oder eine neue Freundschaft?
Weiterlesen Herr Campari, wie schaffen wir nachhaltige Ernährungssysteme?
Weiterlesen 5 Fragen an Shenggen Fan: Wo sind die neuen Wege?
Weiterlesen Was läuft bei der Ernährung in Deutschland schief, Herr Plagge?
Weiterlesen Wie gelingt Welternährung in Zeiten der Klimaveränderung?
Weiterlesen Der Umbau des Ernährungssystems beginnt und endet mit Vielfalt
Weiterlesen Landrechte für eine sichere Lebensgrundlage: Mein Land ist mein Leben
Weiterlesen Ein Klima des Hungers: Wie die Klimakrise den Hunger befeuert
Weiterlesen Wie bekämpfen wir den Hunger in Zeiten der Klimakrise?
Weiterlesen Deutsche G7-Präsidentschaft – Mit aller Macht gegen den Hunger
Weiterlesen Ernährungssicherheit ist mehr als nur Produktionsmengen und hohe Erträge
Weiterlesen "Der Erhalt und die Rückgewinnung fruchtbarer Böden sind eine globale Aufgabe."
Weiterlesen Fünf Tipps zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung
Weiterlesen Was braucht es für einen echten Paradigmenwechsel der Ernährungssysteme?
Weiterlesen Nachhaltig, feministisch, sozialgerecht: Die neue Afrika-Strategie des BMZ
Weiterlesen Wie der Krieg gegen die Ukraine die globalen Getreidemärkte destabilisiert
Weiterlesen Die Schwarzmeer-Kornkammer in der Krise: Zahlen und Fakten
Weiterlesen Der Reissektor in Westafrika: Eine politische Herausforderung
Weiterlesen 5 Fragen an Jann Lay: Was macht Corona mit der Wirtschaft?
Weiterlesen Die Ziele der Transformation dürfen niemanden zurücklassen
Weiterlesen "Mehr vom Gleichen ist nicht genug - wir müssen umdenken"
Weiterlesen BMZ veröffentlicht Video zur Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme
Weiterlesen Agrarpreise und Ernährungssicherheit – eine komplexe Wechselwirkung
Weiterlesen Innovative Geberansätze und nachhaltige Finanzierung – Ein Rückblick zum UNFSS+2
Weiterlesen Was braucht es für eine langfristige Düngemittelstrategie?
Weiterlesen Was der Nahostkonflikt für die Kinder in Gaza bedeutet
Weiterlesen Wo kann internationale Zusammenarbeit in Gaza ansetzen, Frau Asseburg?
Weiterlesen Geschlechtergerechtigkeit – eine Voraussetzung für Resilienz
Weiterlesen „Der Klimawandel bringt die Menschen in der Region zusammen“
Weiterlesen Landwirtschaft ist mehr als Kultur oder Tradition
Weiterlesen Podcast: Den Hunger in der Welt gemeinsam bekämpfen
Weiterlesen Gemeinsam für mehr Ernährungssicherheit in Sambia
Weiterlesen Ein Rahmen für Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und globale Resilienz
Weiterlesen Das ungenutzte Potenzial der Proteindiversifizierung
Weiterlesen Afrikanische Union stellt Weichen für die Zukunft
Weiterlesen 10-Punkte-Plan für einen nachhaltigen Kakaosektor
Weiterlesen BIOFACH als Game Changer für Bio-Produzent*innen
Weiterlesen Angepasste Finanzdienstleistungen – ein Schlüssel zur Transformation
Weiterlesen Ernährung im Zentrum inklusiver Entwicklung – Team Europe beim N4G 2025
Weiterlesen Mit Informalität arbeiten: Gemeinschaftliche Lösungen finden, um den Hunger zu beenden
Weiterlesen Ist die Weltgemeinschaft im Kampf gegen Hunger noch auf Kurs?
Weiterlesen Feministische Entwicklungspolitik – ein Neuanfang?
Weiterlesen Wie hängen Transformation und Krisenintervention zusammen, Herr Dr. Frick?
Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Nutzungserfahrungen zu verbessern. Ihre Zustimmung ist freiwillig und kann auf der Seite "Datenschutz" jederzeit widerrufen werden.
Schützt vor Cross-Site-Request-Forgery Angriffen.
Speichert die aktuelle PHP-Session.
Inhalte von Drittanbietern, wie z.B. YouTube, die Daten über die Nutzung erheben. Auf dieser Website eingebundene Inhalte von Drittanbietern werden Ihnen nur angezeigt, wenn Sie dem hier ausdrücklich zustimmen.
Wir verwenden die Analysesoftware Matomo, die anonymisierte Daten über die Nutzung und die Funktionalität der Website sammelt, um unsere Website und Ihr Nutzererlebnis immer weiter zu verbessern.